Seit dem 18. Jahrhundert werden Gedichte unter dem Sammelbegriff Lyrik zusammengefasst. Zu früheren Zeiten wurde alles schriftlich abgefasste als Lyrik bezeichnet. Gedichte unterscheiden sich von epischen und dramatischen Dichtungen durch ihre Kürze, Prägnanz und Aussagekraft. Ein Gedicht ist in Verse gegliedert, welche in Abschnitte zusammen gefasst sind, die bei gleichem Aufbau als Strophen bezeichnet werden. Der Dichter vertritt das “lyrische Ich”. Gedanken und Gefühle werden unmittelbar geäußert. Häufig reimen sich Gedichte, sind rhythmisch und stark sinnbildlich. Häufige Formen des Gedichts sind Ode, Hymne, Ballade, Lied oder Epigramm.
Die älteste schriftliche Überlieferung eines Gedichtes aus dem deutschem Sprachraum sind die Merseburger Zaubersprüche, welche in Stabreimen abgefasst sind und aus dem 10. Jahrhundert stammen. Die Lyrik des Mittelalters war meist geistlich geprägt. Darauf folgte an den Höfen die Liebeslyrik. Diese Gedichtformen wurden meist gesungen und nur sehr selten nieder geschrieben. In der Reformation überwogen erneut Kirchenlieder. Aber auch das Volkslied begann sich rasant auszubreiten. Hans Sachs prägte mit seinem aus dem Minnesang hervorgegangenen Meistersang die Dichtung dieser Zeit.
F.G. Klopstock spaltete die Gedichte von den Elementen der erzählenden Dichtung ab und Lyrik wurde mehr und mehr zum Ausdruck reinen Gefühls. Die Lyriker der Klassik, Goethe und Schiller, verliehen diesem Ausdruck. Romantiker wie C. Brentano, Eduard Möricke oder Eichendorff nutzten Gedichte als Ausdruck ihrer Wehmut und Sehnsucht. Im Naturalismus begannen soziale Fragen in die Lyrik einzufließen. Während des Expressionismus wurden sehr gefühlsbetonte Gedichte verfasst, welche in ihren Ausdrucksmitteln stark reduziert waren.
Die Wiege der modernen Dichtkunst liegt im 20. Jahrhundert. Häufig wich man nun vom konventionellen Reim- und Versmaß ab und es entstand der freie Vers und mit ihm eine ganze Palette lyrischer Dichtung. Ringelnatz oder Morgenstern schrieben phantastisch-groteskes, Erich Kästner beeindruckte mit seinen Satiren und O. Loerke oder K. Krolow prägten die Naturlyrik. Nach dem II. Weltkrieg wurden die Gedichte zunehmend gesellschaftskritisch. Hervorzuheben sind hier Werke von Brecht und Enzenberger, sowie die gewagten sprachlichen Experimente Jandls. In der DDR orientierten sich die Gedichte zum Großteil an konventionellen Formen. Für Lyriker wie W. Biermann oder S. Kirsch waren die Gedichte auch Mittel, Kritik am bestehenden System zu üben.
Heute ist Lyrik in ihrer ganzen Vielfalt im Buchhandel erhältlich. Es gibt mehrere, zumeist kleinere Verlage, welche sich auf Gedichte spezialisiert haben. Hier haben häufig auch wenige bekannte oder Erstautoren die Chance, ihre Werke einem breiten Publikum vorzustellen.